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Nachlese der zweiten Stunde (27. März 2026) – „Lázár“ von Nelio Biedermann

  • vor 1 Tag
  • 1 Min. Lesezeit

Ilona ist fort. Nach dem Mittagessen mit ihrer unerträglichen Familie sind erst einmal die Pferde ihr Trost. Plötzlich hört sie draußen ein Rascheln im Heckenrosenstrauch. Sie glaubt, es sei ein Rehkitz. Das möchte sie unbedingt mit nach Hause nehmen. Doch sie sieht nur einen Schatten, der im Wald verschwindet. Ilona hastet hinterher, wie auf der Jagd. Die Füße folgen unsichtbaren Wegen, schmalen Schattenstraßen. Mauern ragen hoch empor. Durch Blattwerk und Bäume geht fremd der Wind. Die Ulmen singen und säuseln.


Das ganze Dorf lässt die Arbeit ruhen, um die Tochter des Barons zu suchen. Den Jagdhunden gibt man Ilonas Leintuch mit dem Blutfleck als Fährte mit; über den Blutfleck wird geschwiegen. Es dämmert bereits, als man Ilona bewusstlos und zerschunden im Wald findet. Landarzt Török wird gerufen. „Hier ist Wärme und Schlaf die beste Medizin. Und was das Blut an den Schenkeln angeht, Herr Baron, Ihre Tochter ist nun eine Frau.“


Durch Blattwerk und Bäume geht fremd der Wind. Die Ulmen singen und säuseln. Sie weinen um das tote Kind.

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