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Nachlese der dritten Stunde (10. April 2026) – „Lázár“ von Nelio Biedermann

  • 14. Apr.
  • 1 Min. Lesezeit

Maria beschließt, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Ohne sich an diesem Morgen die Arme zu ritzen, nimmt sie Platz auf ihrem Frisiertisch, schminkt sich die Lippen klatschmohnrot, steckt ihre Perlohrringe in die Ohrlöcher, öffnet ihr geflochtenes Haar, zieht ihre blaue Strickjacke über ihr Nachthemd, füllt draußen große Steine in die Taschen ihrer Jacke und steigt hinein in den See. Das Wasser umschließt sie, als kehre sie zurück in ein Nichts.



Tochter Ilona hat ihrem Vater aus Eifersucht eine Lüge aufgetischt. Ihm erzählt, dass ihr Hauslehrer Jonathan versucht hat, sie zu vergewaltigen. Drei Tage später findet man ihn tot auf und sein Gesicht bis zur Unkenntlichkeit zerschlagen. Maria ist in tiefer Trauer um ihren Geliebten Jonathan und will nicht weiterleben. Warum ist Maria durch dieses schreckliche Erlebnis so aus der Bahn geworfen? Ist es nur die Spitze ihres unerträglichen bisherigen Lebens an der Seite von Sándor? Oder steckt schon lange in ihr eine tiefe Todessehnsucht?



Ilona hat schwere Schuld auf sich geladen. Kann sie in ihrem Alter überhaupt ermessen, was diese Lüge für Folgen hat? Wird sie diese Schuld jemals tilgen können? Oder ist damit auch ihr eigenes Leben dauerhaft schwer gezeichnet?

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