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Nachlese der sechsten Stunde (22. Mai 2026) – „Lázár“ von Nelio Biedermann

  • 29. Mai
  • 1 Min. Lesezeit

„Die Kommunisten sind da! Wir müssen raus!!“, ruft das Dienstmädchen aufgeregt, indem sie auf das Waldschloss zuläuft. Eigentlich sind alle in der Familie darauf vorbereitet, und doch kommt alles aus dem Nichts und trifft die Lázárs wie ein Schlag. Die Beamten, die das Schloss betreten, wirken bäuerlich trotz ihrer Respekt einflößenden Uniform. Pista vermutet, dass die Kommunisten ihr Leben lang davon geträumt haben, ein Leben wie die Lázárs zu führen. Eine Stunde hat die Familie Zeit, um zu packen. Schmuck, Silber und die Gemälde dürfen sie nicht mitnehmen. Die Möbel, das Land und die Tiere gehören jetzt ohnehin dem Staat.



Was packt man ein in so einer Situation, wenn nur ein Koffer erlaubt ist? Was möchte man unter keinen Umständen zurücklassen? Pista resigniert. Schließlich stopft er zehn Minuten bevor sie rausmüssen, Anzüge, Hemden, Hosen und Krawatten in seinen Koffer. Im Salon müssen sie die Koffer noch einmal öffnen. Die Beamten durchwühlen mit ihren groben Händen alles durch und stecken sich die gefundenen Wertsachen in ihre eigenen Taschen. Die Habsucht feiert Triumphe. Doch Habsucht und Neid gehören zu den sieben Todsünden der christlichen Morallehre und gelten als Wurzel für weiteres sündhaftes Handeln. Hat der kluge Mark Twain recht, wenn er sagt: „Der Jammer mit den Weltverbesserern ist, dass sie nicht bei sich selber anfangen.“?

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