Nachlese der ersten Stunde (13. März 2026) – „Lázár“ von Nelio Biedermann
- 19. März
- 1 Min. Lesezeit
Sándor wird wieder Vater. Lajos, das durchsichtige Kind mit den wasserblauen Augen, erblickt am Tag der drei Könige das Licht der Welt. Sándor ist entsetzt. Ist dieses Glaskind überhaupt sein Kind? Für einen kurzen Augenblick erwägt Sándor, dem Kind die kleine Nase und den Mund zuzuhalten. Dieser Gedanke ist schnell verflogen, Fragen werden nicht gestellt, denn er fürchtet die Antwort.
Ein paar Jahr später sitzt Lajos mit am Familientisch, und plötzlich fragt Sándor seine Frau: „Bist du dir sicher, dass das Kind von mir ist?“ Mária ist das Lügen gewohnt und sagt wie beiläufig: „Aber natürlich mein Lieber. Wieso würde er sonst Hayo dem Ersten so ähnlich sehen.“
Warum hat Sándor diese Frage so lange verdrängt? Hat der Tod seiner Eltern, die „der Wald verschluckt hat“ und seinen Bruder Imre „ver-rückt“ gemacht hat, etwas damit zu tun? Ist er innerlich verstummt und hat dadurch auch seine Frau Mária dazu gebracht, sich die Arme zu ritzen? Als der junge Knecht Pál ihre rosigen Narben am Arm, die nie jemandem aufgefallen sind, entdeckt und fragt: „Wieso tun Sie das, geehrte Frau Baronin?“ „Damit ich weiß, dass ich noch lebe.“ Mária folgt Pál in den Stall und neun Monate später wird Lajos geboren.
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